Antispe Sauerland

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Antispeziesismus? Ja klar!

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Aufruf zum Tierbefreiungsblock bei der Köln Pelzfrei 2011

AntispeGeschrieben von Admin 02 Sep, 2011 07:22:23
Wir, Tierbefreiungsaktivist_innen aus NRW, rufen zu einem Tierbefreiungsblock für die Köln Pelzfrei am 10. September 2011 auf!

Wir wollen keine größeren Käfige oder humaneres Töten, wir wollen nicht die alleinige Abschaffung von „Pelz“, sondern die gesamte Abschaffung der Ausbeutung von Tieren.

Wie die übrigen Demonstrationsteilnehmer_innen wollen wir das Ende jedes „Pelzhandels“, die Schließung von „Pelzfarmen“, etc. Im Aufruf der Tierrechtsinitiative Köln (TiK) – Hauptveranstalterin der „Köln - pelzfrei“ – heißt es zudem: „Unser […] Protest wird sich auch gegen andere Tierausbeutungsbetriebe richten, die unseren Weg kreuzen.“ [1]
Warum also ein Tierbefreiungsblock, wenn sich doch die Demonstration gegen eine Form der Tierausbeutung – und nicht etwa für deren Reform – richtet und die TiK (zumindest ansatzweise) die gesamte Ausbeutung an den Tieren thematisieren möchte?

In der Tierrechtsbewegung gibt es Personen und Gruppen, bei denen die Arbeit unter dem Motto „Hauptsache für die Tiere“ steht. Dabei wird dann das Thema Tierrechte aus einem emanzipatorischen Gesamtzusammenhang herausgerissen, als unpolitisch dargestellt und mit Tierschutz-Positionen und dem Begriff Tierschutz vermischt, um möglichst mit allen und jeder_jedem, die_der irgendwie auch was für die Tiere macht, zusammenarbeiten zu können, unabhängig von politischer Orientierung, Weltanschauung, etc.
Bei einem solchen Vorgehen verliert die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung allerdings ihr eigenes Profil und ihre eigenen Inhalte.
Beispielhaft dafür steht die Veranstaltung „Deine Stimme den Stimmlosen“, die im Mai 2011 in Köln von „Tier-Time e.V“ in Kooperation mit „Schüler für Tiere“, organisiert wurde (wobei wir dieses Beispiel auch deshalb anführen, da die Versammlungsleiterin dieser Veranstaltung auch in der TiK organisiert ist). Das Spektrum der teilnehmenden Gruppen reichte von Tierrechtsgruppen, Tierschutz-Vereinigungen über politische Parteien, bis hin zu Organisationen, die in Zusammenhang mit der Sekte Universelles Leben stehen [2] (so u.a. der Verein „Schützer der Erde e.V.“ ). Als Redner trat u.a. Helmut F. Kaplan auf, der sich z.B. für eine Zusammenarbeit mit dem „Universellem Leben“ ausspricht, auch keine Berührungsängste mit der extremen Rechten hat und keine klare Position für Veganismus (lediglich Vegetarismus) bezieht. [3]

Bislang gibt es auf der „Köln - pelzfrei“-Website noch keine Informationen über die (mit Infoständen) teilnehmenden Gruppen oder auch Redner_innen. Wir hoffen, dass die Erklärung „Die Köln-pelzfrei ist überparteilich, unabhängig und nicht religiös motiviert. Wir verstehen unsere Arbeit in der Tradition anderer emanzipatorischer Bewegungen wie der Menschenrechts- und Frauenbewegung. Daher sind autoritäre und rückwärtsgewandte Gruppen und Organisationen wie Universelles Leben und rechte Gruppierungen auf der Demo nicht erwünscht.“ ernst genommen wird und wir nicht am Tag der Demo mit UL-nahen Gruppen oder gar Kaplan überrascht werden.
Es wäre tatsächlich eine positive Überraschung, wenn diesmal – im Gegensatz zu vergangenen „Köln - pelzfrei“-Veranstaltungen – an keinem Infostand eine Tierschutzposition vertreten wird, wenn es keine Stände gibt an denen – trotz eines anderen Fernziels – größere Käfige, artgerechtere Haltung o.ä. gefordert werden (heißt es doch im Aufruf erneut: „Zeigt Euch [...] antispeziesistisch“).

Beim Thema „Pelz“ (wenngleich nicht nur dort) unterscheidet sich die Argumentation vieler Aktivist_innen aus der Tierrechtsbewegung oft nicht von einer tierschützerischen. Es handelt sich keinesfalls um eine unbedeutende Nuance, wenn „Pelz“ nicht deshalb abgelehnt wird, weil es sich dabei um eine (weitere) Form der Nutzung von Tieren handelt, sondern – wie es von Tierschützer_innen gemacht wird – weil „Pelz“ besonderes grausam sei, unzeitgemäß/rückständig sei („Pelz ist Steinzeit“), unverhältnismäßig wäre („Die Tiere werden nur für ihren Pelz getötet“), „peinlich“ sei, etc.: wenn also die „Quälerei“ und nicht die Nutzung von Tieren kritisiert wird. Vielmehr handelt es sich um einen gravierenden Unterschied. In diesem Zusammenhang ist auch das (zweifelsfrei gutgemeinte) Motto der Veranstaltung „Köln - pelzfrei“ durchaus kritisch zu hinterfragen.

Zum Tierbefreiungsblock:
Wir rufen auf zu einem Block, in dem nicht auf solche Art und Weise gegen „Pelz“ argumentiert wird, sondern in dem „Pelz“ als eine Form der Tiernutzung (unter anderen!) angegangen wird, also die Nutzung/Ausbeutung der Tiere als solche – und nicht etwa nur die „Tierquälerei“, der sogenannte Missbrauch von Tieren – als Problem benannt wird.
Ein Block, mit dem sich gegen jede Form der Gewalt gegen Tiere ausgesprochen wird, in dem der Kampf gegen den „Pelzhandel“ im Zusammenhang mit der Befreiung aller Tiere aus dem gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnis gestellt wird.
Einem Tierbefreiungsblock, in dem sich nicht über die Feindfigur der „herzlosen, pelztragenden Frau“ empört wird, sondern eine Gesellschaft kritisiert wird, in der Abermillionen (nichtmenschliche) Tiere gezüchtet, benutzt, ausgebeutet und umgebracht werden: Nicht allein für „Pelz“, sondern ebenso für „Leder“, „Fleisch“, Milch, Eier, etc. Ein Block, in dem die Befreiung der Tiere als ein emanzipatorisches Anliegen (unter anderen!) verstanden wird, wo es demgemäß auch kein Verständnis für sexistische Anti-„Pelz“-Bekundungen gibt, wie z.B. die abwertende Bezeichnung von Pelzträgerinnen als „Schlampen“ oder Plakaten auf denen es heißt, dass „Pelz“ „für die primitive Frau“ sei. (wie in Plakatmotiven des an der „Köln - pelzfrei“ teilnehmenden Vereins „Die Tierfreunde e.V.“ [4] )
Ein Tierbefreiungsblock, in dem Tierausbeutung nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Verhältnissen angegangen wird, in dem mensch sich bewusst ist, dass im Kapitalismus Tierbefreiung – im gesellschaftlichen Ausmaß (!) – (wohl) nur ein Traum bleiben wird.Ein solcher Tierbefreiungsblock, ist auch deshalb wichtig, um nicht die Chance zu verpassen Tierschützer_innen und Tierfreund_innen, die evtl. an der „Köln - pelzfrei“ teilnehmen, die eigene inhaltliche Position zu vermitteln und aufzuzeigen, dass die Tierbefreiungsbewegung nichts mit Tierschutz zu tun hat.

Wir lehnen eine Zusammenarbeit mit anti-emanzipatorischen Personen und Gruppierungen, wie z.B. aus der extremen Rechten, dem Universellen Leben oder Supreme Master bzw. rechtsoffenen Personen und Gruppierungen ab und wollen nicht, dass unsere Forderungen mit denen von Tierschützer_innen in einen Topf geworfen werden.
Wir wollen keine „Gute-Laune“-Veranstaltungen mit „buntem Tagesprogramm“, bei denen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Tierausbeutung zweitrangig ist.
Für eine herrschaftskritische und emanzipatorische Tierbefreiungsbewegung: Für die Befreiung von Mensch und Tier!


Tierbefreiungsaktivist_innen aus NRW, 1. September 2011


Die „Köln – pelzfrei“ findet statt am 10. September 2011 auf dem Neumarkt/Köln.
Infostände gibt es ab 10 Uhr, die Demonstration startet um 12 Uhr.

Der Tierbefreiungsblock trifft sich um 12 Uhr auf der Seite des Neumarktes, an der keine Infostände platziert sind. (Richtung Sankt Aposteln Kirche).



[1] http://www.koeln-pelzfrei.de/
[2] Infos zu Universelles Leben: http://www.tierrechts-aktion-nord.de/ul.html
[3] Eine ausführliche kritische Auseinandersetzung mit der Veranstaltung „Event für Tierrechte – Deine Stimme den Stimmlosen“ findet sich unter: http://www.gegen-speziesismus.de/eventkoeln2011
[4] http://www.die-tierfreunde.de/download/Tierfreunde_anti_Pelz.pdf

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