Schwarze Katze

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Offener Brief der Friedensgruppe Lüdenscheid zum Volkstrauertag 2016

MilitarismusGeschrieben von Schwarze Katze 21 Nov, 2016 20:20:56

Die Friedensgruppe Lüdenscheid hat folgenden Offenen Brief zum Denkmal Erwachender Jüngling veröffentlicht:

Offener Brief

An alle Lüdenscheiderinnen und Lüdenscheider,

die seit vielen Jahren am Volkstrauertag vor dem Denkmal „Erwachender Jüngling“ teilnehmen und den Tag gestalten.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

als 1935 das Denkmal „Der Erwachende“/ „Erwachender Jüngling“ errichtet wurde, war dies in der Stadt heftig umstritten. Viele forderten, den Familien der gefallenen und verletzten Soldaten des 1. Weltkriegs mehr Hilfe zukommen zu lassen und dafür auf die teure Skulptur zu verzichten. Aber die herrschende NSDAP setzte zur Stärkung des Heldenkults und des Kampfgeistes das Denkmal durch.

Im gleichen Jahr wurde, in bewusstem Bruch des Friedensvertrages von Versailles, die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Weiteres deutliches Signal war der Baubeginn der Lüdenscheider Kasernen Baukloh, Buckesfeld und Hellersen.

Mit der erhobenen Faust der Rache für die sogenannte „Schmach von Versailles“ und die Niederlage im Ersten Weltkrieg spiegelt die Figur den prägenden Slogan der SA und der NSDAP „Deutschland erwache! Juda verrecke!“ wider.

Deren häufig gesungenes Lied lautete:

Deutschland erwache/Heil Hitler dir!

Deutschland erwache aus deinem bösen Traum!
Gib fremden Juden in deinem Reich nicht Raum!
Wir wollen kämpfen für dein Auferstehn
Arisches Blut soll nicht untergehn!

All diese Heuchler, wir werfen sie hinaus,
Juda entweiche aus unserm deutschen Haus!
Ist erst die Scholle gesäubert und rein,
Werden wir einig und glücklich sein!

Wir sind die Kämpfer der N.S.D.A.P.
Treudeutsch im Herzen, im Kampfe fest und zäh.
Dem Hakenkreuze ergeben sind wir.
Heil unserm Führer, Heil Hitler dir!

Die Friedensgruppe bittet alle Verantwortlichen darum, dass wir im Frühjahr 2017 darüber sprechen und gemeinsam entscheiden, ob das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt vor dem nationalsozialistischen Denkmal angemessen ist oder doch vielmehr das Soldatenfeld des evangelischen Friedhofs entsprechend dem Leitsatz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ den würdigen Rahmen böte. An der Parkstraße gibt es kein einziges Grab.

Über die Jahre wurde auch deutlich, dass immer weniger Bürgerinnen und Bürger Interesse zeigen. Insbesondere junge Menschen konnten nicht gewonnen werden. Auch unter diesem Aspekt wäre ein Neuanfang an einem – aus unserer Sicht – besseren Ort eine Chance, diesen Abwärtstrend zu stoppen. Die Friedensgruppe ist bereit, hierfür insbesondere an unseren Schulen zu werben.

Ungeachtet der erklärenden Informationstafeln ist der Platz an dem Denkmal nicht passend für den Geist des Grundgesetzes, der dem Frieden und der Völkerverständigung verpflichtet ist.

Chronologie und Kritik zum Denkmal „Der Erwachende“: http://www.friedensgruppe-luedenscheid.de/neu_themen.html

Pressebericht Volkstrauertag 2016: https://www.come-on.de/luedenscheid/volkstrauertag-buerger-erinnern-opfer-krieg-gewalt-6974528.html

In der Hoffnung auf einen guten Gedankenaustausch grüßt Sie freundlich

Friedensgruppe Lüdenscheid



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